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325 Jahre Hugenottenstadt Erlangen – in Erlangen wurde groß gefeiert

Mit einem Empfang der Religionen wurde das Thema Toleranz in den Vordergrund gerückt

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Pfarrer Mann überreicht dem Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis ein Bild über die Tolgeranz der Religionen. Dabei auch die Dekane Peter Huschke (Ev.-Luth. Kirche) und Josef Dobeneck (Katholische Kirche).

Von den 1686 in Erlangen eingetroffenen Hugenotten wurde ein ganzer neuer Stadtteil gebaut. Anfänglich gab es in der Bevölkerung erhebliche Vorbehalte. Verschiedene Forschungen erhellen Details der Einwanderung.

Am 14. Juli jährte sich zum 325. Mal der Tag der Grundsteinlegung der Hugenottenkirche in Erlangen. Im Mai 1686 waren die ersten französisch reformierten Glaubensflüchtlinge in dem damals 600 Einwohner zählenden Dörfchen Erlangen eingetroffen. Der Markgraf von Ansbach-Bayreuth, Christian Ernst, hatte den Verfolgten das Versprechen der Toleranz ins Reisegepäck gegeben.

Ein Arbeitskreis, bestehend aus dem Stadtarchivar, dem Museumsleiter, dem Leiter des Bürgermeister- und Presseamtes, eines Presbyters und eines Gemeindegliedes sowie Pfarrer Johannes Mann, hatte 1 Jahr lang die Festaktivitäten geplant und organisiert. Denn der Geburtstag der Ev.-ref. Kirchengemeinde in Erlangen ist auch zugleich der Geburtstag der Neustadt Erlangen. Die Grundsteinlegung der Hugenottenkirche markierte auch den Beginn der Neustadt Erlangen, die der Markgraf sich zu Ehren als barocke Planstadt entwerfen und anlegen ließ.

Neben einer Ausstellung über die Migration der Hugenotten hatte der Erlanger Arbeitskreis auch diverse Publikationen erarbeitet, z.B. über den historischen Friedhof und den Weg, den die Hugenotten aus der Schweiz kommend, über Schaffhausen bis nach Mittelfranken genommen haben. Jüngste Forschungen zum Stadtjubiläum haben zudem zwei Überraschungen zu Tage gefördert, dass das ursprünglich angenommene Datum für das Kommen der ersten Hugenotten um ein paar Tage nach vorne korrigiert werden muss und dass in der Hugenottenkirche eine zweite große Empore vorgesehen war, die auch das Rätsel löst, warum die Kirche über zwei Dachebenen verfügt.

Das Presbyterium hatte am Jubiläumstag, dem 14. Juli, ein in der Öffentlichkeit viel beachtetes Zeichen gesetzt, indem es am Abend zu einem „Empfang der Religionen“ in den historischen Innenhof einlud. Viele Vertreter der in Erlangen ansässigen Religionen und Konfessionen waren der Einladung gefolgt. Neben dem jüdischen Rabbiner, den lutherischen und kath. Dekan, sprachen auch Vertreter der Muslime und der Baha’i zum Thema der Toleranz. Insbesondere der jüdische Rabbiner, Dani Danieli, zog eine Parallele zwischen der Verfolgung der Hugenotten und der Juden angesichts der durchlittenen Massaker. Pfarrer Mann erinnerte an die oftmals schroffe, nicht selten feindselige Haltung der Einheimischen gegenüber den Neuankömmlingen. Eine erste Anfrage auf Aufnahme von Hugenotten war am erbitterten Widerstand der Lutheraner gescheitert, der auch nach der Aufnahme der Hugenotten in Vorbehalten gegenüber dem Recht auf freie Religionsausübung und den gewährten wirtschaftlichen Vergünstigungen zu spüren war. Dennoch waren die Hugenotten für Erlangen ein Segen, der die Stadt zur wirtschaftlichen Blüte führte.

Am Sonntag, dem 17. Juli feierte die Kirchengemeinde gemeinsam mit der Stadt Erlangen im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes und eines sich anschließenden Empfangs im Innenhof das gemeinsame Jubiläum.
Daran nahmen viele Vertreter des öffentlichen Lebens in Erlangen teil, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis, eine Delegation aus dem mittelfränkischen Wilhelmsdorf, angeführt von Bürgermeister Werner Friedrich, die damit ihre historische Verbundenheit als ehemalige Filiale der Erlanger Kirchengemeinde zum Ausdruck brachte. Ebenso nahm der Präsident der Deutschen Hugenottengesellschaft, Pastor Dr. Andreas Flick aus Celle teil.

Im Gottesdienst erinnerten die Dekane Peter Huschke (für die Lutheraner) und Josef Dobeneck (für die Katholiken) an den jeweils eigenen Anteil ihrer Konfessionen an der nur zögerlich begrüßten Aufnahme der reformierten Glaubensflüchtlinge bzw. an deren Vertreibung. Stadtarchivar Dr. Andreas Jakob und Stadtmuseumsleiter Thomas Engelhardt stellten mit Auszügen aus historischen Dokumenten die Bedeutung der hugenottischen Migration für Erlangen und die ganze Metropolregion heraus. Die Hugenottenkirche bezeichnete Dr. Jakob als ein „architektonisches Juwel“.

Pfarrer Johannes Mann erinnerte in seiner Festansprache an das Leid der Verfolgten und stellte die Bedeutung der reformierten Tradition für das gesamte Reformationsgeschehen heraus. Er verwies auf ein Bild, das die Armenspeisung während der Hungersnot 1771 in der historischen Goethestraße durch die hugenottische Bäckersfamilie Jean George Puy. Pfarrer Mann erinnerte daran, dass die Sorge um die Armen stets ein ausgewiesenes Anliegen der Vertriebenen wie auch der gesamten Kirchengemeinde gewesen sei. „Wir dürfen niemals vergessen, wo wir herkommen“, so Pfarrer Mann. Deshalb habe die Gemeinde auch den Sonderfonds gegen Armut und Obdachlosigkeit in Erlangen im vergangen Jahr gegründet und pflege ihn mit besonderer Aufmerksamkeit. Er beklagte, dass selten in der bundesdeutschen Öffentlichkeit angesichts der aktuellen Migrationsdebatte auf die gelungene Migration der Hugenotten verwiesen würde, die eine „Erfolgsgeschichte für Deutschland“ geworden sei. In diesem Zusammenhang verwies er auf ein persönliches Schreiben an Innenminister Herrmann, in dem er darum gebeten hatte, der Bedeutung der Einwanderung der Hugenotten nach Mittelfranken durch das Aufstellen von Autobahnschildern rund um Erlangen zu entsprechen. Diese Bitte griff der bayerische Innenminister Joachim Herrmann in seinem Grußwort auf und versprach, sich für die Umsetzung der „hervorragenden Idee“ einzusetzen. Herrmann verwies im Zusammenhang des Leidens der Hugenotten auf das aktuelle Leiden verfolgter Christen in aller Welt. Er dankte der Ev.-ref. Kirchengemeinde für ihr Tun und Wirken in der Stadt und betonte ihre Bedeutung für die Stadt Erlangen.

Am Ende des Gottesdienstes, der unter dem Motto stand „(H)offen aus Tradition“, überreichten Pfarrer Mann und die Vertreter des Presbyteriums ein Bild als Geschenk für das Rathaus an den Erlanger Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis. Das Bild des pakistanischen Künstlers Shahid Alam, trägt den Titel „Abrahams Kinder“ und stellt die Symbole der drei monotheistischen Religionen dar: Kreuz, Davidstern und Halbmond. Erlangens Oberbürgermeister würdigte die Verdienste der Hugenotten in Erlangen und der Ev.-ref. Kirchengemeinde und bedankte sich für das wertvolle Präsent beim Presbyterium, indem er sich mit einer Kopie jenes Glasbildes aus dem früheren Rathaus, Palais Stutterheim, revanchierte, das die Ankunft der Hugenotten in Erlangen zeigt.

Anschließend feierten die vielen Ehrengäste mit den Mitgliedern der Kirchengemeinde im Innenhof bei Hugenottenwein und einem kalten Buffet, das Frauen der Kirchengemeinde vorbereitet hatten.

Die Ausstellung in der Hugenottenkirche wird noch einige Monate zu sehen sein. Mit der Mitgliederversammlung der Deutschen Hugenottengesellschaft am 24./25. September in Erlangen enden die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Johannes Mann

 

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