Europas gedenken - in der Ökumene

Zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst anlässlich des Endes des ersten Weltkrieges vor 100 Jahren trafen sich die Gemeinden der Münchner Westvorstadt und beteten für ein solidarisches Europa der Zukunft.

„Millionen von Zeitzeugen aller Nationen haben berichtet über die Grausamkeit und die Schrecken des Krieges, den Gestank der Gräben, die Schreie der Verwundeten in der Nacht, die Zerstörungsmacht, die die Landschaft durchwühlte und zerfurcht hat und das schreckliche Wirken der Waffen. Viele von denen, die zurückkehrten aus dem Krieg, hatten ihre Jugend verloren, ihre Ideale verloren, ihre Lebensfreude. Viele waren verstümmelt, blind hatten Gliedmaßen verloren, Sieger und Besiegete wurden für lange Zeit in die selbe Trauer gestürzt, 1918, vor 100 Jahren, Es scheint weit her und lange her zu sein, aber es war gestern“: Präsident Macron,              11. November am Arc de Triomphe…
Am 6. November feierte die Kirchengemeinde München 1 gemeinsam mit der lutherischen, der katholischen und der altkatholischen Kirche einen Ökumenischen Gottesdienst für ein solidarisches Europa, dort, wo jeden ersten Dienstag des Monats das ökumenische Abendgebet der beteiligten Gemeinden stattfindet. Ein eher ungewöhnliches und zugleich ungewöhnlich passendes Ereignis zum aktuellen Weltgeschehen und dem besonderen vereinigten Gedenken des 1. Weltkrieges in Paris. Ihre Motivation beschrieben die veranstaltenden Gemeinden so:
„In der Novemberwoche erinnern wir an den katastrophalen Ausgang des Ersten Weltkriegs und der „Reichspogromnacht“ 1938, vor allem aber an den Segen der europäischen Einigung nach dem Mauerfall im November 1989. Nie wieder darf uns der Geist des Nationalismus, Rassismus und Egoismus in Europa auseinandertreiben! Dazu tragen auch wir Christinnen und Christen in der Maxvorstadt bei. 
Im ökumenischen Gottesdienst wollen wir gemeinsam hören, singen und beten, gegen Angst, Defätismus und religiösen Hass, für mehr Menschlichkeit und Vertrauen im christlichen Geist, sowie anschließend miteinander ins Gespräch kommen.“ 
 
Im Zentrum des Gottesdienstes standen die Fragen: Was macht uns Angst? Was macht uns Mut? Beide Fragen spielen in der Stillung des Seesturms durch Jesus eine große Rolle. Was macht uns Angst? Was macht uns Mut? Diese Fragen stellen sich auch mit Blick auf Europa. Die Angst um Europa und die Angst der Jünger wurden miteinander ins Gespräch gebracht, aber auch das, was den Jüngern Mut macht und uns in Europa Mut machen kann. 
Es tut gut, Gott angesichts der Herausforderung in Europa neu kennenzulernen. Als der Gott, der uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gibt (2. Tim 1,7). Als der Gott, der uns durch Christus zur Freiheit befreit hat (Gal 5,1). Als der Gott, der uns hilft Mauern zu überwinden (Ps 18,30). Als der Gott, der uns einen neuen Himmel und eine neue Erde vor Augen führt (Jes 65,17). Als der Gott, der uns für alles Kommende mutig und stark macht (Jos 1,9). Gottes Wort weist uns einen guten Weg - auch in diesen stürmischen Zeiten in Europa.
 
Mit dieser Gewißheit traten die Besucher aus dem Gottesdienst, vielleicht auch mit den Worten von Macron im Ohr: 

„Möge diese Versammlung nicht nur einen Tag andauern. Diese Brüderlichkeit, meine Freunde, lädt uns dazu ein, gemeinsam tatsächlich den einzigen Kampf zu führen, der sich lohnt: den Kampf für den Frieden, den Kampf für eine bessere Welt.“ 


Fabian Brüder/hs